70.3 WM in Zell am See


Erstmalig kam die Ironman 70.3 WM nach Europa – und mit Zell am See im naheliegenden Salzburger Land kann man dieses schon fast als Heim- WM bezeichnen. Jedenfalls sind zahlreiche Betreuer, Verwandte und Freunde runtergefahren um mich zu unterstützen – die Bedingungen hätten kaum besser sein können. Leider war ich schon etwas müde von einer Saison, in der ich krankheitsbedingt viele Änderungen in meinem Rennkalender vornehmen musste, und mir nicht ganz sicher war, was mich in Zell erwarten würde. Vor allem meine Teamkollegen Michael Raelert und Julia Gajer konnten mein Selbstbewußtsein wieder rechtzeitig aufbauen und wir hatten eine hervorragende Zweckgemeinschaft für die Vorbereitung der letzten Tage vor dem Saisonhighlight.


Alles war vorbereitet, die Hausaufgaben waren erledigt und jetzt ging es los. Start war mit 10:45 Uhr ungewöhnlich spät und so war am Morgen noch viel Zeit und keine Hektik alles vorzubereiten. Früh am morgen hab ich nochmal das Seewasser gecheckt – und ja man wird tatsächlich nass…..Dann schwangen wir uns nach dem Frühstück auf die Räder und fuhren entspannt von Zell am See bei unbeschreiblicher Kulisse zur Wechselzone, Ich freute mich richtig auf das Rennen und war festentschlossen bei der “Hauptgruppe” mitzuschwimmen und so stieg ich mit ca. 50 Sekunden Rückstand auf mein Cannondale Slice und begann die Aufholjagd. Die ersten Kilometer waren richtig schnell und nach und nach konnte ich mich nach vorne arbeiten. Schon bald sah ich die beiden Führenden Andi Böcherer und Jan Frodeno, die sich gerade von den anderen etwas abgesetzt hatten.



Meine eigene Vorgabe war am Anstieg vorne dabei zu sein und so schloss ich bis zum Beginn des Anstieges nach und nach die Lücke. Dann der Anstieg, Andi als Erster, Frodo setzt schon bald eine Tempoverschärfung, doch schon bald hab ich das Zepter in die Hand genommen und das Tempo vorgegeben. Jan fuhr sein eigenes Tempo weiter und wir waren bald außer Sichtweite. Andi blieb stets in Schlagdistanz und übernahm im zweiten Drittel erneut die Führung, ehe ich kurz vor der Kuppe wieder vorbeiging. Die Abfahrt war schnell und kurzweilig – es gab kaum Zeit für Erholung und man mußte schon wieder mit dem Treten beginnen. Ich drehte mich kurz um und Andi war nicht mehr zu sehen – was war mit ihm?

Egal, weiter gehts – jetzt gibt es kein zurück mehr und Zell wartet schon auf die ersten Athleten. Nach und nach konnte ich meine Führung ausbauen, in Zell waren es 1:30 Minuten und die Ortsdurchfahrt war der absolute Megahammer: Kilometerlanges Spalier von zahlreichen Zuschauern ließen mich durch den ganzen Ort schweben, doch bis zur Wechselzone war es noch ein weiter Weg. Etwas unglücklich stieß ich in der Nähe von Kaprun mit meinem Knie an den Lenker und die Muskeln begannen zu krampfen. Ich rettete meinen Vorsprung gerade noch in die zweite Wechselzone, zog die Laufschuhe an und stolperte los. Die Kameras waren immer noch auf mich gerichtet – zu diesem Zeitpunkt schämte ich mich ziemlich. Mit kleinen Zwischenzielen, die leider nur noch stichpunktartig in meinem Gedächtnis sind, konnte ich mich noch halbwegs motivieren: als Erster bis nach Zell, noch bis zum Hotel, eine Runde geht schon, oh man – du bist immer noch Top10, jetzt macht es auch keinen Sinn mehr aufzuhören, Finish Line, freaking out, Geschafft!!!



Mein Fazit:

Alles probiert – viel riskiert und “at least I stole the show”.
Ein Dank geht an allen meinen Sponsoren und Partnern, die mir das alles erst ermöglicht haben und vor allem an meinen Coach Rainer Skutschik. Ebenfalls an alle Verwandte, Freunde und Fans, die vor Ort oder aus der Ferne mitgefiebert haben und mir die Daumen gedrückt haben.

Ihr seid alle unglaublich!!!